Die vier größten Irrtümer bei der Zusammenstellung eines PCs für die Bildbearbeitung

Photoshop, Gimp und Lightroom lassen sich auch auf älteren PCs effektiv betreiben
Vermeiden Sie typische Fehler beim Kauf eines PCs für die Bildbearbeitung – und sparen Sie bares Geld! Foto: © Elnur Amikishiyev/123RF.com

Hilfe und Tipps für den Kauf eines PCs für die Bildbearbeitung. Was können Sie falsch machen?

Sie fotografieren? Sie brauchen Hilfe bei der Suche nach einem PC, der gut für die Bildbearbeitung ( Photoshop, Lightroom, etc. ) geeignet ist?
Viele Ratgeber im Internet geben Auskunft über die Leistung, die ein PC für die Bildbearbeitung haben sollte und stellen aktuelle, neue PCs und Hardwarekomponenten in den Raum. Dies wollen wir an dieser Stelle nicht tun.

Hier erfahren Sie hingegen, welchen weit verbreiteten (und teuren) Irrtümern Sie besser nicht aufsitzen sollten, wenn es um die Anschaffung eines Computers geht, mit dem Sie primär Bildbearbeitung betreiben wollen.

Wichtig hierbei ist festzustellen, was wir unter Bildbearbeitung an dieser Stelle verstehen. Gemeint ist der primäre Einsatz von Programmen wie Gimp, Lightroom oder Photoshop. 3D-Design (CAD-Programme wie AutoCAD) zählt explizit ebenso wenig zum Bereich der Bildbearbeitung wie die Erstellung von Videos (Adobe Premiere, Final Cut Pro, etc.)

Irrtum Nummer 1: Um Bildbearbeitung betreiben zu können, braucht man zwingend einen High-End-PC!

Das ist ein Irrtum. Genauso gut könnte man behaupten man benötige einen Ferrari, um überhaupt auf der Autobahn fahren zu können. Für die allermeisten Aufgaben ist ein High-End-System ein schönes „Nice-to-have“ aber überhaupt nicht notwendig. Um im Bild der Autobahn zu bleiben – Sie selbst entscheiden, wie effektiv und schnell Sie unterwegs sein müssen (oder wollen). Um an Ihr Ziel zu kommen, können Sie sich einen Kleinwagen aussuchen oder aber eben einen entsprechend teuren Sportwagen. Aber egal für welches Auto Sie sich entscheiden, beide werden Sie an Ihr Ziel bringen. Manche Entscheidung hinsichtlich Ihres Fahrzeuges macht vielleicht Spaß – aber keinen Sinn. Ähnlich verhält es sich bei der Auswahl eines Computersystems für die Bildbearbeitung.

Welche CPU für Fotobearbeitung ist für Photoshop wirklich erforderlich?

Beitragsbild für den Artikel über die vier größten Irrtümer bei der Zusammenstellung eines Computers für die Bildbearbeitung
Ein typischer, recht anspruchsvoller Workflow unserer Grafikabteilung –  Bildbearbeitung, Vektorgrafik- und Layout-Programme werden hier parallel ausgeführt. Dabei setzen wir auf viel RAM sowie auf gebrauchte, stabile und bewährte Hardwarekomponenten von namhaften Herstellern.

Betrachten wir doch einmal die Mindestanforderung vom aktuellen Adobe Photoshop CC (Stand 2019). Da ist die Rede von einem Intel Core2 oder einem AMD Athlon 64 Prozessor. Hier handelt es sich wohlgemerkt um wirklich alte Computertechnik (diese CPUs waren 2006-2008 aktuell). Zwei Gigabyte RAM sollten es laut Adobe sein und die Grafikkarte sollte Open GL 2.0 fähig sein – was selbst für zehn Jahre alte Grafikkarten in der Regel überhaupt keine Hürde darstellt. Sicher: Erwarten Sie von so einem Computer nicht, dass er alle Arbeiten besonders performant ausführen kann. Dies gilt insbesondere dann, wenn Sie die aktuellste Software verwenden und mit sehr großen Bilddateien arbeiten. Der Punkt ist aber: Selbst wenn Ihr PC nur die Mindestanforderung an die Hardware erfüllen würde, könnten Sie dennoch mit Photoshop arbeiten. Zur gelegentlichen Retusche einiger Bilder genügt also selbst ein wirklich altes Computersystem.

Grundsätzlich arbeitet eine Software wie Photoshop auch mit alter Hardware zusammen. Dabei gilt: egal wie alt der Prozessor ist, eine möglichst hohe Taktfrequenz ist in Photoshop  immer wichtiger als die Anzahl der Kerne des Prozessors.

Immerhin: Mit solchen Systemen wurde vor zehn Jahren auch auf professioneller Ebene alles produziert, was man auch heute mit modernen Computern erzeugt. Vom Erstellen eines Bildbandes voller hochauflösender Kunstdrucke bis hin zur XXXL-Banner-Werbung im Münchner Hauptbahnhof – das war auch schon vor fünfzehn Jahren alles möglich. Mit Computern, über deren Leistungsdaten heute viel zu oft nur müde gelächelt wird. Die Wahrheit ist: Wenn es Ihnen darum geht, einfach nur Ihre Urlaubsfotos ein wenig zu bearbeiten, brauchen Sie im Jahr 2019 keine hochgerüstete und teure Hardware mehr.

Irrtum Nummer 2: Für eine effektive Bildbearbeitung braucht man eine schnelle, teure Grafikkarte! Gerade wenn man mit Photoshop arbeitet.

Bild einer Grafikkarte der Mittelklasse
Eine eigene Grafikkarte macht für aktuelle Bildbearbeitung durchaus Sinn. Unser Tipp: Eine ältere Karte aus der Quadro-Serie für Profis von Nvidia oder eine aktuelle Consumer-Karte der unteren Mittelklasse genügt vollkommen.

Tatsächlich macht eine dedizierte Grafikkarte in einem PC, der primär für die Bildbearbeitung eingesetzt wird, Sinn. Aber diese Grafikkarte muss weder schnell noch teuer sein, um hervorragende Ergebnisse zu erzielen. Das ist ein Irrtum. Der Umstand allein, dass überhaupt ein Grafikprozessor (GPU) anstatt der CPU für bestimmte Operationen innerhalb einer Software herangezogen werden kann, sorgt bereits für eine massive Beschleunigung des Rechenvorgangs.

Der Grund dafür ist in der unterschiedlichen Architektur einer GPU gegenüber dem eigentlichen Hauptprozessors, der CPU, zu suchen. Ohne an dieser Stelle in die Tiefe gehen zu wollen sei nur so viel gesagt: Eine GPU ist bei parallelen Rechenoperationen ganz erheblich schneller als eine CPU. Nicht doppelt, dreimal oder zehnmal so schnell – sie ist je nach Operation bis zu hundertmal (!) schneller als jede verfügbare CPU.

Eine gute Grafikkarte der Mittelklasse genügt völlig – auch für ambitionierte Bildbearbeitung in einem Programm wie Photoshop!

Genau das ist der Grund, warum es grundsätzlich erst einmal völlig genügt überhaupt eine eigene Grafikkarte in einen PC für die Bildbearbeitung einzubauen. Wo eine GPU angesprochen werden kann (ganz gleich welche), kommt es sofort zu einem massiven Leistungssprung bzw. bestimmte Effekte werden überhaupt erst nutzbar. Betreiben Sie viel Videobearbeitung oder arbeiten Sie viel an komplexen Projekten im CAD-Bereich, schlägt die Stunde der wirklich schnellen und darauf spezialisierten Grafikkarten der Profi-Klasse. Zum Beispiel aus der Quadro-Serie des Herstellers Nvidia.

Diese Leistung brauchen Sie aber für professionelle Bildbearbeitung im Jahr 2019 nicht.

Irrtum Nummer 3: Durch den Einbau einer Grafikkarte wird Software für die Bildbearbeitung (wie Photoshop) automatisch viel schneller!

Nicht alle Funktionen einer Software profitieren von der Leistung einer Grafikkarte, sondern nur manche. Auch hier liegt ein weit verbreitetes Missverständnis vor. Wie wir schon bei Irrtum Nummer 2 erklärt haben, tritt ein Leistungsschub bei der Bildbearbeitung nur dann ein, wenn ein bestimmter Effekt oder ein bestimmtes Werkzeug die GPU der Grafikkarte auch nutzt. Das ist aber bei einer großen Mehrheit der Funktionen einer Software wie Photoshop überhaupt nicht der Fall.
Der Hersteller ADOBE stellt regelmäßig aktuelle Informationen zur Verfügung welche Teile ihrer Software von einer GPU profitieren (oder überhaupt erst nutzbar werden). Diese finden Sie z.B. HIER.

Die Photoshop-Alternative GIMP hat übrigens gerade erst damit begonnen, GPU-Beschleunigung für einige Werkzeuge offiziell bereitzustellen und ist dabei noch wenig effektiv. Im Jahr 2019 sind wir also durchaus noch ein ganzes Stück davon entfernt, dass GPU-Beschleunigung Einzug in jede Software gehalten hätte. Es verhält sich eher so, dass spezielle Werkzeuge in bestimmten Bildbearbeitungsprogrammen deutlich schneller arbeiten durch die Nutzung einer Grafikkarte. Wenn Sie diese Werkzeuge aber nie einsetzen, macht es überhaupt keinen Unterschied, ob Sie eine Onboard-Grafiklösung, eine 500 Euro teure Consumer-Karte oder gar eine Grafikkarte für Profis für mehrere tausend Euro verwenden. Photoshop wird wie jede andere Software für die Bildbearbeitung exakt gleich schnell performen.

Wenn es Ihnen einfach nur darum geht, Ihre Familienfotos ein wenig zu bearbeiten, brauchen Sie im Jahr 2019 keine hochaktuelle und teure Hardware mehr. Eine eigene Grafikkarte ist zwar grundsätzlich empfehlenswert, eine Grafikkarte der sehr teuren Profi-Klasse ist aber in der Regel völlig unnötig und bietet eventuell kaum einen Mehrwert für Sie.

Irrtum Nummer 4: Je mehr Kerne ein Prozessor hat, umso besser für die Bildbearbeitung!

Bild einer CPU
Ein Hauptprozessor (CPU) mit vielen Kernen ist auch in der Bildbearbeitung nützlich. Wichtiger ist für Programme wie Photoshop allerdings ein hoher Basistakt.

Bildbearbeitungssoftware wie Photoshop und Lightroom profitieren in ihrer Performance vor allem von hohen Taktfrequenzen des Prozessors.
Je mehr Kerne eine CPU aufweist, desto häufiger tritt aber der Fall ein, dass jeder einzelne dieser Kerne niedriger taktet als die Kerne eines Prozessors mit weniger Kernen. Ein Prozessor mit vielen Kernen ist also keineswegs grundsätzlich besser für die Bildbearbeitung geeignet. Es gibt Filter, die von vielen Kernen wirklich profitieren (z.B. der Filter Objektivunschärfe in Photoshop). Viele andere Funktionen wiederum nutzen nie mehr als einen Kern des Prozessors gleichzeitig.

Beispiel:
Sie haben einen PC mit einer CPU mit acht Kernen, die jeweils mit 2.8 GHz takten. Daneben einen PC dessen CPU zwei Kerne hat, die aber mit 3,8 GHz takten. Wenn Sie nun ein Werkzeug benutzen, dass immer nur einen Kern anspricht, wird der Prozessor mit zwei Kernen, aber höherem Takt, signifikant schneller arbeiten, als die in der Regel deutlich teurere CPU mit acht Kernen.

Im Zweifel gilt also Folgendes: Lieber ein höherer Takt und etwas weniger Kerne als viele Kerne und im Vergleich eine niedrige Taktung des Prozessors. Denn viele Werkzeuge in einer Software wie Photoshop profitieren nicht oder nur wenig von vielen Kernen. Dies mag sich in Zukunft ändern, ist aber im Jahr 2019 noch immer der Stand der Dinge.

FAZIT

Das Thema Bildbearbeitung ist ein weites Feld. Es gibt Workflows, die tatsächlich nach einer enorm leistungsstarken Hardware verlangen. Die Frage, die Sie sich stellen sollten ist, ob Sie solche Workflows überhaupt anstreben. Unsere Grafikabteilung bei HARLANDER.COM zum Beispiel setzt selbst bei sehr aufwändigen DTP- und Bildbearbeitungsaufgaben nicht auf neueste Computertechnik – weil es einfach nicht nötig ist und im Grunde unwirtschaftlich wäre.

Die Leistungsfähigkeit etwas älterer Hardware genügt unseren professionellen Ansprüchen vollkommen. Statt also auf die neueste Prozessor-Generation zu setzen, haben wir viel Arbeitsspeicher verbaut und auf die Hochwertigkeit und Stabilität der Komponenten geachtet. Auf diese Weise haben wir eine sehr leistungsstarke und insbesondere absolut stabile Arbeitsumgebung geschaffen, die auch noch leise ist.

Wenn auch Sie sich für sinnvolle Alternativen zum Neukauf eines PC-Systems interessieren: Gebrauchte Workstations von Herstellern wie DELL, HP, Fujitsu oder Lenovo eignen sich ganz hervorragend auch für aufwendige Bildbearbeitung. Diese ehemaligen High-End-Systeme verkaufen wir von Harlander.com zu fairen Preisen mit Gewährleistung und optionaler Garantie. Dabei sparen Sie viel Geld, das Sie vielleicht besser in den vielleicht wichtigsten Baustein jedes Arbeitsplatzes eines Fotografen investieren sollten: den Monitor.

Fassen wir noch einmal kurz zusammen. Was zeichnet einen geeigneten PC für Photoshop bzw. einen guten Arbeitsplatz für die Bildbearbeitung aus?

  • Achten Sie bei der Wahl Ihres Prozessors auf eine hohe Taktfrequenz der Kerne
  • Spendieren Sie dem PC eine eigene Grafikkarte
  • Arbeitsspeicher ist wichtig. Ab acht Gigabyte können Sie anfangen sinnvoll zu arbeiten
  • Sparen Sie nicht an der Peripherie (Maus, Monitor, Tastatur). Lieber ein etwas älterer Prozessor als ein mittelmäßiger Monitor
  • Setzen Sie beim Massenspeicher unbedingt auf SSD-Technologie. Der Einsatz klassischer Festplatten (HDD) bremst auch den aktuellsten Prozessor gnadenlos aus.

Für ein gutes Computersystem für die Bildbearbeitung brauchen Sie hingegen NICHT zwingend:

  • Die neueste und schnellste Hardware. Auch gebrauchte Workstations oder neue PCs der Mittelklasse reichen hierfür aus
  • Eine sehr schnelle und teure Grafikkarte. Prüfen Sie hier zuerst, ob diese Ihnen überhaupt Vorteile bringt
  • Eine CPU mit möglichst vielen Kernen.

Erfahren Sie mehr zum Thema:

Mindestanforderung für Photoshop CC 2018
Mindestanforderung für Lightroom CC 2018
GPU vs CPU Computing: What to choose?
Welche Funktionen in Lightroom profitieren von einer GPU (englisch) ?
Der Unterschied zwischen CPU und GPU (englisch)

Sie interessieren sich für einen gebrauchten PC für die Bildbearbeitung?

Wir empfehlen gebrauchte Workstations. Als Händler haben wir zusammen mit unseren Kunden sehr gute Erfahrungen mit dieser Geräteklasse gemacht. Auch innerhalb unserer eigenen Grafikabteilung setzen wir grundsätzlich auf diese kostengünstige und zugleich effektive Lösung. Hier können Sie stöbern: Harlander.com

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